Dienstag, 30. August 2011

Ein Dudelsack ist doch keine Audiokassette... oder?

"Wunderschöner Dudelsack neu unbespielt" liest man häufig bei Ebay. Mal davon abgesehen, dass man die Dinger von Ebay eh nicht spielen kann und man dort auch keinen käuft, frage ich mich jedesmal wie man ein Instrument bespielen kann.

Ein Instrument kann gespielt worden sein, wird also gespielt. Man bespielt ein Instrument nicht wie eine Audiokassette. Oder übersehe ich da was?

Dienstag, 23. August 2011

...dann spiel doch Keyboard!

An alle die, die vorhaben Dudelsack spielen zu lernen:
Eine Pipe (insbesondere warmwind instruments, d.h. mundgeblasene Instrumente) besteht zu 90-100% aus "atmendem" Material, es sei denn man käuft sich eine Plastikpipe mit Plastiksack und Plastikreeds (allerdings bekommt man dann auch einen Sound der Plastik ist). Die Konstitution des Instrument steht und fällt mit der Häufigkeit, mit der es gespielt wird.
Um es mal auf den Punkt zu bringen: Die Pipe ist ein wartungsintensives Instrument. Man muss immer mal wieder Faden an den Verbingsunsstücken (Joints) anbringen oder wieder abnehmen, den Sack dichten, Töne abkleben, Reeds manipulieren (schnitzen, drücken, wässern, etc.) und setzen. Holz, Leder und Wicklungen leben, d.h. es ändert sich bei Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen, sie trocknen aus, wenn man nicht spielt und saugen sich mit Feuchtigkeit voll, wenn man sehr oft spielt.
Man kann sich eine Wasserfalle für 19,- (oder mehr) kaufen oder sich selber eine basteln für 1,- mit Material aus dem Baumarkt, das gleiche gilt für Ventile. (Natürlich gibt es auch Leute, die es mit dem Basteln übertreiben und die den Eindruck erwecken, sie seien mehr am Basteln als am Üben). Es führt kein Weg daran vorbei, sein Instrument kennenzulernen, damit man weiß wie es reagiert, um so besser man sein Instrument kennt, um so geringer wird die Wartungszeit und -intervalle. Und trotzdem kommt man nicht drumherum immer mal wieder das Messer anzusetzen... Aber: Auch ein Musikinstrument kann einen schlechten Tag haben. Dann ist es besser es einfach wieder in der Koffer zu legen, als irgendwelche Operationen durchzuführen, die man später bereut. Das gillt natürlich auch für den Spieler, der einen schlechten Tag haben kann.

Die Great Highland Bagpipe ist kein Plug&Play-Instrument. Wenn einem das nicht passt, soll er Keyboard spielen. So wie es die Leute tun sollten, von denen ich unglaubliche Geschichten gehört habe. Ein Mitarbeiter von Kilts and More (hallo Jörg) hat mir erzählt, dass sich eine Kundin beschwert haben soll, weil sich ihre Pipe immer wieder verstimmt.
Ein anderer hat gar seine Drones festgeklebt, damit diese immer in der gleichen vermeintlich richtigen Stimmposition bleiben. Das verschlägt einem ja glatt die Sprache.

Mittwoch, 20. Juli 2011

McCallum

"I received my first set of pipes from Scotland in May (McCullum/ABW/Poly Chanter)" (B. Dunsire Forum 20.7.11, postet by "arisingphoenix").

In Dudelsack-Foren (für GHB) liest man sehr häufig solche Sätze: Meine erste Pipe.... McCallum AbXY...

Nicht nur für die GHb auch für Borderpipes und Smallpipes scheint es in der Szene nur eins oder zwei Hersteller zu geben, die meist für den Intressenten in Frage kommen. Wenn man allerdings mal seine Suche ausweitet stößt man auf viele kleine unbekannte Hersteller, die aber oftmals bessere Instrumente herstellen als die "Riesen" dieser Industrie, die die Instrumente in Fließbandarbeit produzieren. Alle Welt spielt McCallum. Warum? Weil es, man muss es sagen, ein gutes Einsteigerinstrument ist. Mehr aber auch nicht! (Insofern, ich muss das hier alles etwas relativieren, verirren sich die McCallums auch meist in Anfängerhände).

Doch in wie weit wird dadurch der zeitgemäße Sound der Great-Highlandpipe geprägt?
Besteht eine Unterwanderung des schottischen Bagpipe-Klanges durch MacCallum Bagpipes??

Über Klagelieder (Laments)

In einer Unterrichtsstunde mit Allan MacDonald, meinte dieser, die Annahme, dass Laments (Klagelieder) langsam, traurig (mournfull), getragen gespielt werden müssten sei irrig. Klagelieder hatten eher einen praisenden Charakter, waren stolze Lieder und sollten entsprechend gespielt werden.

Da viele Stücke allerdings von sogenannten keenings abstammen, also (irischen) Klageliedern, ursprünglich von Frauen vorgetragen, bleibt die Frage, in wie weit diese Stücke nicht doch eher einen traurigen Charackter besitzen.

Montag, 13. Juni 2011

Du Röhre

Man findet mich auch auf You Tube:
http://www.youtube.com/user/Dastirum?feature=mhee

Sonntag, 29. Mai 2011

Der Dudelsackspieler und der Kilt

"Und was ist, wenn dem Dudelsackspieler der Kilt hochfliegt?" war das Letzte an diesen Fragen, die mir gestellt wurde. Ich wusste aber auch ehrlich nicht, was ich darauf antworten sollte. Insofern lies ich es, zuckte mit den Schultern und lächelte weiter in die Kameras der Fotografen, die von dem Brautpaar und mir Fotos schossen.

Worauf die Frage abzielte war schon klar. Aber auch ähnliche Fragen wie "Und, was trägt der Schotte drunter?" (woher soll ich das wissen, bin ja keiner) oder "Wie geht die Legende mit dem Kilt?" (auch sehr trollig, ich kenne keine Legende mit Kilt, die bescheidene Antwort der Fragestellering war dann auch: Sie spielen nur das Instrument?).
Oder auch geil sind Leute die beim Vorrübergehen sowas fragen wie: "Was die Schotten wohl unter dem Rock tragen?"
Oder am schlimmsten, wenn Sie so tun als wollen sie mit dem Foto unter den Kilt gehen und Fotos schießen.
Ja, sind denn alle Notgeil???!!!

Es fällt einem schwer da oft nicht agressiv zu werden oder ausfallend.

Ein für allemal: Diese Fragen sind weder komisch noch originell. Ich finde Sie dem Künstler gegenüber unverschämt. Es gehört sich nicht jemanden danach zu fragen, was er unter seiner Kleidung trägt.
Niemand würde auf die Idee kommen den Pianisten zu fragen, was er unter seinem Frack trägt.

Ich bediene keine Klischees. Ich mache Musik in einer Tracht, nicht mehr nicht weniger.

Freitag, 13. Mai 2011

Pipe zu verkaufen

Habe eine D. Naill Pipe anzubeiten.

Alter ca. 15 Jahre.

Modell DN3 (Army Pattern)


Das Blowpipeprojectingmount und die -ferrule haben einen Riss, was sich aber nicht auf die Dichte auswirkt. Außerdem ist das Gewinde der Blowpipe nicht mehr ganz ok, so dass man mit Hemp und Tape das Mundstück anbringen und abdichten muss. Für mich war das bisher nie ein Problem gewesen. Das Mundstück ist gekürzt, es liegt nicht sehr angenehm im Mund, müsste also ggf. ausgetauscht werden.


Die Drones haben einen schönen stabilen klang und wurden von einigen Judges (inkl. Martin Kessler) schon für ihre guten Obertöne gelobt. Die Drones lassen sich ziemlich leicht „bereeden“, d.h. sie laufen mit verschiedenen Reeds sehr gut.


Die Pipe kommt mit einem Zipperbag und schwarzen Seidencords.

Keine Reeds, kein Chanter.



NP: liegt derzeit bei ca. 1100,- €

Preis auf Anfrage.


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Außerdem habe ich massig Chanterreeds in verschiedenen Stärken.

Stück 5,-€ + PP.


Donnerstag, 24. März 2011

Beerdigungen

Beerdigungen sind Festlichkeiten, zu denen ich eher selten gerufen werde, um diese musikalisch zu untermalen. Dennoch kommt es vor. Diese Auftritte sind besonders schwierig und erfordern ein hohes Maß an Professionalität. Der Spieler muss sein Instrument kennen. Er muss wissen wie es reagiert und wie sich der Ton ändert (und es darf natürlich nicht auseinanderfallen oder das Ventil versagen oder ähnliches). Das ist insofern wichtig, da man meist vor dem Beginn (um die 30 Min. oder länger) das Instrument schon warmspielen bzw. stimmen muss, und diese Stimmung muss bis zum Auftritt halten. Ein Stimmen während der Performance ist unangebracht. Hinzu kommt die Pietät, die man an den Tag legen muss.
Nun könnte man meinen, was unterscheidet den Auftritt bei einer Beerdigung im Gegensatz zu einer musikalischen Untermalung einer kirchlichen Trauung. Die Antwort: nichts. Denn bei einer Trauung ist das Prozedere das Gleiche und dennoch fühle ich die Beerdigung mehr noch als Herausforderung.

Bei einer Geburtstagsfeier ist es meist möglich auch während der Performance zu stimmen (wenn man es beherrscht schnell zu stimmen und nicht 10 Min. mit dem Schrauben an den Drones beschäftigt ist). Vor dem Auftritt eines Geburtstages ist somit nur ein kurzes Stimmen von Nöten, denn der Auftritt erfolgt i.d.R. direkt nach dem Stimmen und muss meist nur für ein kurzes Set passen, dann kann man wieder stimmen. Das ist während einer Trauer- oder Hochzeitszeremonie nicht möglich.

Der geneigte Leser mag sich nun fragen, warum das so schwierig ist. Die Great Highland Bagpipe besteht zum größten Teil aus Holzelementen, die stark auf Temperatur und Atemfeuchtigkeit reagieren. Ein Verstimmen ist meist die Folge, wenn man längere Zeit spielt (oder nicht spielt) oder Räume wechselt, in denen unterschiedliche Temperaturen herrschen. Insofern muss man wissen, wie das Instrument sich verstimmt, wenn man es nach dem Einstimmen für längere Zeit liegen lässt (wobei nicht gesagt ist, dass es sich verstimmen muss).

Sonntag, 13. März 2011

Storas Òran 2011


Ulli Rieger (rechts) und ich mit Allan MacDonald, Pìobaireachd-Workshop in der Winterwerkstatt Storas Òran 2011.

Storas Òran (SÒ) steht für "Liederschatz", ist eine Winterwerkstatt und feiert dieses Jahr ihr 5 jähriges Jubiläum. SÒ findet jährlich statt in Neu-Anspach und umfasst eine Vielfalt an Kursen rund um schottisch-gälisches Musik- und Liedgut. Die Mittelalterdudelsäcke werden hierbei auch berücksichtigt, deren Szene in Deutschland Jahr für Jahr mehr Interessenten findet. Mit rund 60 Teilnehmern (so hab ich's in Erinnerung) war der Workshop, der von der Dudelsack-Akademie in Hofheim ausgerichtet wird, dieses Jahr ausgebucht. Die Alte Schule Neu-Anspach (BASA) dient dafür als Unterkunft mit Vollpension. Die Kurse starteten morgens um 10 Uhr und endeten Abends um 1700, wobei nach dem Abendessen noch zusätzliche Kurse angeboten wurden, wie z.B. ein Highland-Fling Tanzkurs. Um 10 Uhr gab es einen Einführungskurs in die gälische Sprache, die die Grundlage des Angebots von SÒ bildet, da das Ziel der Schule ist die Verbindung zwischen gälischer Sprache, gälischem Liedgut und schottischer Musik zu vermitteln. Im Anschluss an die Einführung spliteten sich die Kurse. Es gab auf den Tag verteilt Angebote für Tinwhistle, Jigs und Reels für die Highlandpipe/Smallpipe/Reelpipe, Pìobaireachd für Anfänger und Fortgeschrittene, Bòdhran, Mittelalterdudelsack für Beginner und Fortgeschrittene, Atemtechnik, Canntaireachd für Pìobaireachd und Light Music(!), Light Music des 19. Jhd. und viele Tanz-und Gesangskurse mit mittelalterlichen, französischen, bretonischen und natürlich schottisch-gälischen Stücken. Zwischen den Stunden und in den Pausen traf man sich, wartete oder verglich Instrumente, die Lehrer gaben einzelnen Ratschläge und waren generell immer, für jeden und für alle Fragen da.

In der freien Zeit (meist nach dem Abendessen) fand man sich in Gruppen zusammen und musizierte, trank einen wee drum oder zwei oder spielte Tischfußball. Am Samstag Abend gaben die Dozenten ein Abschlusskonzert und im Anschluss daran gab es Session wo jeder etwas vorspielen, -tanzen oder -singen konnte. Diese Gelegenheit wurde auch rege genutzt. Zwischenzeitlich traf man sich zur Zigarette, zum Austausch von Anekdoten und zum neusten Klatsch vor dem Eingang.

SÒ geht nur 3,5 Tage, aber diese haben es in sich. Die ganzen Eindrücke und das Gelernte in dieser kurzen Zeit sind immens und das gilt es erst einmal zu verdauen und zu verarbeiten, letztlich dann umzusetzen.
Dies ist der einzige saisonale mehrtägige (Dudelsack-)Workshop in Deutschland, den ich bisher mehr als einmal besucht habe. Und ich muss sagen, 2012 bin ich wieder dabei.
Feasgar math.