Samstag, 4. Oktober 2014

APP Review

Seit Juni 2014 gibt es eine Neuigkeit im Lernbereich des schottischen Dudelsacks. Lehrbücher gibt es schon zu hauf. Doch im elektronischen Bereich herrscht Mangel an gut gebräuchlichem Lehrmaterial. Im digitalen Zeitalter war es also nur eine Frage der Zeit bis auf unserer Smartphones und Tablets die ersten Apps für den schottischen Dudelsack Einzug erhalten. Und nun sind sie da, die ersten zwei Bagpipe-Apps, Bagpipe-Basics und der Canntaireachd-Tutor. Es werden noch zwei weitere folgen (u.a. der Light-Music-Tutor). Zur Zeit nur einzeln erhältlich, sollen alle vier Apps am Ende auch als Paket zu bekommen sein. Entwickelt wurden die Programme von Wee-Pipes Ltd. Hinter diesem Namen verbirgt sich u.a. Thomas Zöller (Deutschland) und Allan MacDonald, Glenuig (Schottland). Allan hat die Handschrift, den Gesang und die Tonbeispiele geliefert. Ich konnte die Apps ausprobieren, für mich persönlich aber auch im Unterricht. Zeit für ein kleines Review, wobei ich mich hauptsächlich auf das Bagpipe-Basic-App konzentrieren werde:




Das Programm ist überschaubar, in deutscher Sprache und Bedienungsfreundlich, wobei der ein oder andere Knopf zur besseren Navigation noch Platz gehabt hätte. Alle im Text verwendeten gälischen Begriffe werden einem mit der richtigen Aussprache vorgesagt (mit Allans Stimme, der muttersprachlich mit gälisch aufgewachsen ist, so hat das auch einen absolut authentischen Charakter).
Im ersten Kapitel erfährt man, wie man Dudelsack Spielen lernt, nämlich mit einem Practice Chanter. Man bekommt die Tonleiter und die Töne erklärt, d.h. man erfährt auch, ob es sich um die Oktave, die Terz oder die Quinte handelt). Schließen tut das Kapitel mit der Erklärung der Fingerhaltung.

Im folgenden Kapitel kann man sich die Tonleiter vorspielen lassen und lernt so die Noten des Chanters kennen. Zeitgleich werden in einer Animation die dazugehörigen Griffe gezeigt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Töne (und alle anderen Tonbeispiele der Apps) immer im Hintergrund die Bordune mitlaufen haben, so dass der Lernende gleich das Ohr trainiert bekommt für die Reine-Stimmung des Dudelsacks.
Das App schließt mit zwei Spielen, wo man das eben gesehene und gehörte abfragen kann. Im Quiz zur Griffweise bekommt man einen Ton gezeigt und muss den dazugehörigen Griff eraten (oder vice versa).

Das eigentliche Highlight dieser App ist das Gehörbildungs-Quiz. In diesem bekommt man ein Intervall vorgespielt (immer beginnend mit tiefem A) und muss erraten, welches der Folgeton war.  Im Unterricht hat sich besonders dieses Feature bei den Schülern beliebt gemacht als kleine Abwechslung für Zwischendurch. Und auch für geübte Spieler wie mich, ist dies manchmal eine knifflige Aufgabe.



Was mich bei dem Quiz (das gilt für die andern Apps ebenfalls) etwas nervt ist die Uhr, die man nicht abschalten kann. So hat man immer nur 60 Sekunden Zeit und fühlt sich oft zu gehetzt, um sich wirklich mal drauf einzulassen. Natürlich, es soll ein Spiel sein, doch didaktisch hielte ich es für sinnvoller eine Option zu haben, die Uhr auszuschalten. Eine Schülerin, die das Programm ausprobiert hat, meinte gar, es wäre schön einen „Zurück-Knopf“ zu haben, wenn man falsch geraten hat, um sich genau das Falscheratene nochmals anzuhören. Dies funktioniert m.E. aber nur in Zusammenhang mit einer ausschaltbaren Uhr. Auch wäre es schön gewesen zu wissen wie viele man falsch getippt hat. So bekommt man zwar gezeigt wie viele man richtig hat und seinen aktuellen Highscore, aber die Quote wäre noch interessant zu erfahren.

Zu der Canntaireachd-App:
Sie ist ein sehr günstiges und wertvolles Werkzeug, um den Einstieg in Canntaireachd zu erhalten! Alle gälischen Fachbegriffe, die mit Piobaireachd/Canntaireachd zu tun haben werden einem von Allan richtig vorgesprochen. Es wird erklärt was es mit Canntaireachd auf sich hat und welche Manuskripte es gibt. Letztlich arbeitet das App mit dem Campbell Cantr. Alle Movements werden einem vorgesungen und in Notenform dargestellt. Auch hier kann man im Quizbereich sein Gelerntes abfragen.

Zu der Light-Music App (noch nicht erhältlich):
Diese App behandelt letztlich alle Verzierungen, die in der Light-Music vorkommen. Das gehörbildungs-Quiz wurde hier auf alle möglichen Halbtöne erweitert.




Was mich persönlich anfangs irritierte sind (bezogen auf die Canntaireachd- und die Lightmusic-App) einige Darstellungen von Movements in Notenform und Namen von Movements, die ich anders kenne. So ist zum Beispiel das Tripling keine GDE-Kombination, sondern das, was ich als „Double-Strike“ kenne. Das, was ich wiederum als Tripling kenne, heißt schlicht GDE-Kombination. Die Schreibweise des Crunluath-A-Mach finde ich ebenfalls ungewöhnlich.
Da allerdings die Movements in den gängigen Manuskripten sowieso abgekürzt sind, ist das nicht weiter tragisch, zumal die Schreibweise durchaus akkurater erscheint als die, die man kennt (sprich die erste Melodienote ebenfalls als 16tel notiert). Auch die Benennung der Light-Music-Movements scheint im Nachhinein logischer, bleibt aber dennoch ungewohnt.

Unterm Strich kann man sagen, für das kleine Geld (3,59€/App) bekommt man ein schönes Lernwerkzeug (elektronische Lernkarten) für sein Smartphone. Zur Zeit allerdings leider nur für Apple Produkte. Die Apps für Android sind, soweit ich weiß, in Arbeit.

https://itunes.apple.com/de/app/bagpipe-basics/id883210143?mt=8

http://www.bagpipe-apps.com/


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