Die Dudelsack-Akademie hat Tag der offenen Tür am 2.11. zwischen 14 und 18 Uhr in Hofheim am Ts. (Hauptstr. 68). Es gibt Live-Musik (auch zum Mitmachen), Tee/Kaffee und Kuchen.
Wer will kann kommen und ist auch herzlich eingeladen.
Mittwoch, 29. Oktober 2014
Sonntag, 26. Oktober 2014
Glenfiddich 2014
Wundervolle Welt der „modernen“
Technik machts möglich. Man muss nicht mehr irgendwo hinreisen, um
einen Event Live mitzuverfolgen. So hat man heutzutage die Möglichkeit
live bei den Glenfiddich Piping Championchips (Solo Piping) via
Stream im Internet dabeizusein, im gemütlichen heimischen
Wohnzimmer. Der Stream war stellenweise ne Katasrophe, aber die Leute
der Webseite haben das im Laufe des Tages so hinbekommen, dass man
mit geminderter Bildqualität ohne Unterbrechung schauen konnte. Und
letztlich ist es ja sowieso der Ton, der zählt und dieser war super,
wenn man noch die richtigen Boxen hat, dann ist es fast wie live Zuhören. Eben nur fast, da Nuancen des Klangs der Instrumente auf
dem Weg der Übertragung verloren gehen. Aber mit solchen
Kompromissen kann man auch leben.
Ich habe die ersten 2 oder 3
Performances im Piobaireachd verpasst, da ich dachte, wie auf der
Seite angegeben, es würde um 12 Uhr beginnen. Hat dann aber wohl schon
um 11 Uhr MEZ angefangen (10 Uhr vor Ort). Das war unelegant gelöst.
Ist aber auch weiter nicht tragisch, da, wie bereits erwähnt, die
Sendeanstalt Probleme mit der Übertragung hatte bzw. der Stream
stellenweise hing, in den ersten 1-2 Stunden. Ansonsten konnte ich die ganze
Veranstaltung mitverfolgen.
Es tut gut zu hören, dass auch Profis
Probleme haben mit Chokes oder (hier sogar ohne ersichtlichen Grund)
eine Breakdown machen. Und auch der Kommentar von Stuart Liddell nach
der Preisverleihung: „It‘s nerve wracking“, beruhigt doch
etwas.
Man hat das Gefühl, die Stücke an
denen man arbeitet sind eine immerwährende Baustelle, nie endend.
Und hat man eine Sache behoben, fällt einem an einer anderen Stelle
eine andere Sache auf, die man noch verbessern muss usw. Und es scheint nie aufzuhören, wenn
man die Kritik der Perfromances liest. Selbst auf dem höchsten
Niveau scheinen die Spieler mit Inkonsistenzen, schwachen Übergängen
und Gracenotes, die nicht auf den Punkt gefallen sind, zu kämpfen.
Das ist natürlich jammern auf höchstem Niveau und zuweilen
Erbesenzählerei. Aber es tut gut zu lesen, dass die Arbeit auch bei
diesen Spielern noch nicht beendet ist.
Besagte Kritik ist hier zu lesen:
http://pipingpress.com/glenfiddich-critique/
Was ich nicht nachvollziehen kann, an dieser Kritik, ist die Stelle, wo der Autor die Zeit, die die Spieler zum Stimmen brauchen, bemängelt. Ich persönlich finde diesen Part mit am interessantesten. Zu hören, wie das Instrument noch perfekter in Tune gebracht wird. Das ganze Prozedere an sich, bis am Ende der Sound steht und der Spieler sich aklimatisiert hat. Habe ich als Zuhörer kein Problem mit (bin aber auch selber Spieler, dann ist das vielleicht nochmal was anderes).
Die Results hier:
http://pipingpress.com/2014/10/25/glenfiddich-result/
Sonntag, 5. Oktober 2014
Rückschluss
Ich wollte neulich ein Set der neu auf den Markt gekommen X-Trem-Drone-Reeds ausprobieren, diese bei einem lokalen Händler bestellen und musste festestellen, dass es zwei Sorten der neuen Reeds gibt: Die normale und die Premium Edition. Die Premium Edition kostet 25,-€ mehr. So, wo liegt der Unterschied? In der Beschreibung heißt es, dass die Premium Version „Moisture Resistant“ (MR) sei. Bei Nachfrage auf Facebook, was das soll. Gab mir ein Kollege bekannt, dass die normale Version aus Acetal sei und die Premium noch Teflon beinhalten und dementsprechend noch mehr MR sei... Puhh, so viel Moisture Resistance.
Ich frage mich, wie etwas noch mehr MR sein kann, als die übrigen Plastik Reeds auf dem Markt. Soweit ich weiß absorbiert keiner dieser Reeds Moisture. Zu den Moisture absorbierenden Reeds zählen die andern Stoffe aus Schilf, gepresstem Span oder was auch immer wie z.B. die Ezeedrone-Reeds und Konsorten oder eben halt Cane-Reeds.
Gehen wir mal davon aus, dass es sich hier um einen neuen „Super“-Plastik handelt. Warum dann zwei Versionen, warum dann nicht gleich die HypersuperMR-Variante? Warum sollte ich mich mit weniger MR zufrieden geben? Weil der Hersteller weiß, dass ich einen möglichst stabilen, tollen Klang haben will, wie die Profis. Und das wird mir mit der Beschreibung und dem Preis suggeriert. Natürlich will ich, wenn dann ordentlich viel MR und mit noch mehr Stabilität haben und kaufe natürlich auch eben die teurere Variante.
Boah so viel Stabilität, da muss die Pipe ja von alleine laufen.
Das Ding ist nur, wenn ich bisher nicht in der Lage war mit den bisher auf dem Markt erhältlichen Plastik-Reeds einen konstanten Ton zu halten, werde ich es mit diesen auch nicht schaffen. So sieht es doch aus.
Klanglich mag ja sein, dass die gut sind, aber damit wird ja in erster Linie nicht geworben.
Samstag, 4. Oktober 2014
APP Review
Seit Juni 2014 gibt es eine Neuigkeit
im Lernbereich des schottischen Dudelsacks. Lehrbücher gibt es schon
zu hauf. Doch im elektronischen Bereich herrscht Mangel an gut
gebräuchlichem Lehrmaterial. Im digitalen Zeitalter war es also nur
eine Frage der Zeit bis auf unserer Smartphones und Tablets die
ersten Apps für den schottischen Dudelsack Einzug erhalten. Und nun
sind sie da, die ersten zwei Bagpipe-Apps, Bagpipe-Basics und der
Canntaireachd-Tutor. Es werden noch zwei weitere folgen (u.a. der
Light-Music-Tutor). Zur Zeit nur einzeln erhältlich,
sollen alle vier Apps am Ende auch als Paket zu bekommen sein.
Entwickelt wurden die Programme von Wee-Pipes Ltd. Hinter diesem Namen verbirgt sich u.a. Thomas Zöller (Deutschland) und Allan
MacDonald, Glenuig (Schottland). Allan hat die Handschrift, den
Gesang und die Tonbeispiele geliefert. Ich konnte die Apps ausprobieren, für
mich persönlich aber auch im Unterricht. Zeit für ein kleines
Review, wobei ich mich hauptsächlich auf das Bagpipe-Basic-App
konzentrieren werde:
Das Programm ist überschaubar, in
deutscher Sprache und Bedienungsfreundlich, wobei der ein oder andere
Knopf zur besseren Navigation noch Platz gehabt hätte. Alle im Text
verwendeten gälischen Begriffe werden einem mit der richtigen
Aussprache vorgesagt (mit Allans Stimme, der muttersprachlich mit
gälisch aufgewachsen ist, so hat das auch einen absolut
authentischen Charakter).
Im ersten Kapitel erfährt man, wie man
Dudelsack Spielen lernt, nämlich mit einem Practice Chanter. Man
bekommt die Tonleiter und die Töne erklärt, d.h. man erfährt auch,
ob es sich um die Oktave, die Terz oder die Quinte handelt).
Schließen tut das Kapitel mit der Erklärung der Fingerhaltung.
Im folgenden Kapitel kann man sich die
Tonleiter vorspielen lassen und lernt so die Noten des Chanters
kennen. Zeitgleich werden in einer Animation die dazugehörigen
Griffe gezeigt. Besonders hervorzuheben ist, dass die Töne (und alle
anderen Tonbeispiele der Apps) immer im Hintergrund die Bordune
mitlaufen haben, so dass der Lernende gleich das Ohr trainiert
bekommt für die Reine-Stimmung des Dudelsacks.
Das App schließt mit zwei Spielen, wo
man das eben gesehene und gehörte abfragen kann. Im Quiz zur
Griffweise bekommt man einen Ton gezeigt und muss den dazugehörigen
Griff eraten (oder vice versa).
Das eigentliche Highlight dieser App
ist das Gehörbildungs-Quiz. In diesem bekommt man ein Intervall
vorgespielt (immer beginnend mit tiefem A) und muss erraten, welches der Folgeton war. Im Unterricht hat sich besonders
dieses Feature bei den Schülern beliebt gemacht als kleine
Abwechslung für Zwischendurch. Und auch für geübte Spieler wie
mich, ist dies manchmal eine knifflige Aufgabe.
Was mich bei dem Quiz (das gilt für
die andern Apps ebenfalls) etwas nervt ist die Uhr, die man nicht
abschalten kann. So hat man immer nur 60 Sekunden Zeit und fühlt
sich oft zu gehetzt, um sich wirklich mal drauf einzulassen.
Natürlich, es soll ein Spiel sein, doch didaktisch hielte ich es für
sinnvoller eine Option zu haben, die Uhr auszuschalten. Eine
Schülerin, die das Programm ausprobiert hat, meinte gar, es wäre
schön einen „Zurück-Knopf“ zu haben, wenn man falsch geraten
hat, um sich genau das Falscheratene nochmals anzuhören. Dies
funktioniert m.E. aber nur in Zusammenhang mit einer ausschaltbaren
Uhr. Auch wäre es schön gewesen zu wissen wie viele man falsch
getippt hat. So bekommt man zwar gezeigt wie viele man richtig hat
und seinen aktuellen Highscore, aber die Quote wäre noch interessant
zu erfahren.
Zu der Canntaireachd-App:
Sie ist ein sehr günstiges und
wertvolles Werkzeug, um den Einstieg in Canntaireachd zu erhalten!
Alle gälischen Fachbegriffe, die mit Piobaireachd/Canntaireachd zu
tun haben werden einem von Allan richtig vorgesprochen. Es wird
erklärt was es mit Canntaireachd auf sich hat und welche
Manuskripte es gibt. Letztlich arbeitet das App mit dem Campbell
Cantr. Alle Movements werden einem vorgesungen und in Notenform
dargestellt. Auch hier kann man im Quizbereich sein Gelerntes
abfragen.
Zu der Light-Music App (noch nicht erhältlich):
Diese App behandelt letztlich alle
Verzierungen, die in der Light-Music vorkommen. Das
gehörbildungs-Quiz wurde hier auf alle möglichen Halbtöne
erweitert.
Was mich persönlich anfangs irritierte
sind (bezogen auf die Canntaireachd- und die Lightmusic-App) einige
Darstellungen von Movements in Notenform und Namen von Movements, die
ich anders kenne. So ist zum Beispiel das Tripling keine
GDE-Kombination, sondern das, was ich als „Double-Strike“ kenne.
Das, was ich wiederum als Tripling kenne, heißt schlicht
GDE-Kombination. Die Schreibweise des Crunluath-A-Mach finde ich
ebenfalls ungewöhnlich.
Da allerdings die Movements in den
gängigen Manuskripten sowieso abgekürzt sind, ist das nicht weiter
tragisch, zumal die Schreibweise durchaus akkurater erscheint als die, die man kennt (sprich die erste Melodienote ebenfalls als 16tel
notiert). Auch die Benennung der Light-Music-Movements scheint im
Nachhinein logischer, bleibt aber dennoch ungewohnt.
Unterm Strich kann man sagen, für das
kleine Geld (3,59€/App) bekommt man ein schönes Lernwerkzeug (elektronische Lernkarten) für
sein Smartphone. Zur Zeit allerdings leider nur für Apple Produkte.
Die Apps für Android sind, soweit ich weiß, in Arbeit.
https://itunes.apple.com/de/app/bagpipe-basics/id883210143?mt=8
http://www.bagpipe-apps.com/
ÜBEN
Ich stieß neulich auf einen sehr
interessanten Blog:
Auch wenn es hier nicht um Dudelsack im
speziellen geht, sondern die Beispiele an klassischen Instrumenten
gezeigt werden, kann man es letztlich doch auf das Üben mit dem Dudelsack übertragen. Es beeindruckten mich insbesondere zwei
Artikel über das „richtige“ Üben. In dem ersten wird
dargestellt was „Profimusiker“ anders machen bzw. wie sie anders
üben als andere Musiker. Und obwohl die Sache eigentlich vorher
schon klar war (wie vieles, was wir dann doch anders machen), läuft
es auf eine Sache hinaus:
Je häufiger man eine Sache falsch übt,
um so häufiger spielt man sie falsch. D.h. im Umkehrschluss, es gilt
den Prozentsatz an richtigen Durchläufen zu erhöhen.
Die Top-Drei-Strategien der
„Profis“:
1. Den Fehler erkennen, lokalisieren und korrigieren.
1. Den Fehler erkennen, lokalisieren und korrigieren.
2. Tempo anpassen.
3. Ziel-Passage wiederholen bis der
Fehler korrigiert und die Passage stabilisiert wurde.
Aber der Königstip, und ich versuche
das meinen Schülern jedesmal klarzumachen:
Slowing things down!
Der volle Artikel in Englisch gibt’s
hier:
http://www.bulletproofmusician.com/8-things-top-practicers-do-differently/
http://www.bulletproofmusician.com/8-things-top-practicers-do-differently/
außerdem der hier:
Der zweite Artikel handelte von den
„Basics“, also Tonleitern und Etuden.
Wenn ich Euch, liebe Schüler (falls
ihr das hier lest), in jeder Stunde wieder mit den Übungen aus der
ersten Stunde quäle, dann hat das seinen Sinn. Es gilt die Basis zu
festigen. Tonleiter und Etuden sind Mittel sich
u.a. auf sein Spiel, die Finger und die Haltung zu konzentrieren. Man
kann verschiedenes ausprobieren.
„Whether it’s experimenting with
finger pressure, point of contact, or how much bow hair to use, it’s
less about playing the scale perfectly, and more about exploration,
hypothesis testing, and building up a toolbox of fundamental skills
that we can then apply to whatever unique combination of demands we
might encounter in our repertoire.“
Das ist so wahr!
Den volle Artikel gibt’s hier:
Viel Spaß beim Üben und Ausprobieren.
Samstag, 27. September 2014
Top 3 Piping CDs
This is my personal Top 3 of Piping CDs. The ones I listen, enjoyed and learned from most.
1. Donald MacPherson "The Master Piper"
2. Donald MacLeod "The New York Recordings"
3. Angus MacDonald "The World's Greatest Pipers Vol. I"
1. Donald MacPherson "The Master Piper"
2. Donald MacLeod "The New York Recordings"
3. Angus MacDonald "The World's Greatest Pipers Vol. I"
Mittwoch, 17. September 2014
Weitere Literaturempfehlungen
Nach der letzten und ersten
Buchempfehlung folgen nun noch einige Bücher, die ich jedem
Dudelsackspieler ans Herz legen kann. All diese Bücher haben mich
beim Lesen sehr begeistert und/oder inspiriert. All die Bücher sind
in Englisch und beim College of Piping erhältlich.
1. „When Piping was strong“ von
Joshua Dickson.
Eine sehr interessante Forschung über
die Dudelsacktradition auf den äußeren Hebriden. Es wird sehr schön
dargestellt, welchen Einfluss (nicht unbedingt positiv zu bewerten)
das Militär, John MacDonald of Inverness und Willi Ross (beauftragt
durch die Piobaireachd Society) auf die Spielweisen der Inselbewohner
hatte.
2. „The Silver Chanter and other
Tales“ von Stuart McHardy
Ein Märchenbuch, in dem der Dudelsack
eigentlich auch jedes anderes Instrument hätte sein können. Sehr
romantisch.
3. „A Piper‘s Tale“ von F.
Muirhead
Siehe Buchtip vorangegangener Thread.
4. „The Highlandpipe and the Scottish
Society between 1750-1950“ von W. Donaldson
Ein Standardwerk, dass in keiner gut
geordneten (Piper-)Bibliothek fehlen darf. Mittlerweile wieder
erhältlich. Es geht grob um die Entwicklung der Mhyten, die heute
die Dudelsackmusik umfassen. Es geht um den Einfluss von hohen
Persönlichkeiten auf die Musik. Es geht um die Schwierigkeiten, die
die Leute damals hatten bei der Konservierung von Pibroch
(Niederschrift). Es geht um die Erfindung einer Kultur. Ein
bitterböses Schwarzbuch der Dudelsackmusik.
5. „A professional Piper in Peace and
War“ von P/M John Wilson
In der Autobiographie und den Memoiren
redet Wilson über sein Leben als Dudelsackspieler, Wertungsrichter
und Competitor.
Auch sehr interessant sind die Bücher
von Bridget MacKenzie über die Piping-Traditionen verschiedener
schottischer Areale. Fünf Bücher sind es zur Zeit (Piping
Traditions of - the north of Scotland; - Argyl; - the inner Isles; -
the outer isles; - Skye). Oftmals sehr interessant aber auch sehr
trocken kommen diese Nachforschungen daher. Deshalb sind die Bücher
auch nur erwähnt, finden aber keinen Platz in der eigentlichen
Empfehlung.
Samstag, 13. September 2014
Buch Tip der Woche
Seit langem hatte ich nicht mehr so
einen Spaß ein (Piping-)Buch zu lesen wie das von Fergus Muirhead.
Erst dachte ich es handele sich um kurze Geschichten und Anekdoten,
die auf einer Seite dargestellt werden, so wie man es vermuten
könnte, wenn man den Klappentext liest, ähnlich wie „The little
book of Piping Quotations“.
Weit gefehlt. Brühmte Top Piper (Roddy
MacLeod, Willie McCallum, Murray Henderson, Finlay MacDonald, Rab
Wallace, u.a.) sprechen über Ihre Erfahrungen auf Competitions oder
ihre Ansichten bezüglich des Sounds. Sie erzählen wie sie zum Pipen kamen und wie es früher war Dudelsack zu erlernen.
Gerade für Piper, die auf Wettbewerben
spielen, finde ich, kann dieses Buch höchst inspirierend sein. Zumindest
ist es das für mich. Ich lese es mit begeistertem Interesse und
finde es schade, dass ich schon fast durch bin und dass nicht noch
viel mehr Spieler zu Wort kamen. Davon braucht die (Piping-)Welt
mehr.
Klare Empfehlung! http://www.apiperstale.com/
Samstag, 23. August 2014
Schottland 2014, Teil III: Kickin‘ the boards
You never know. Diesen Satz habe ich
mehrmals gehört, als ich meinte, ich würde mich dieses Jahr an
schottischen Pipingcompetitions versuchen und nicht wirklich an eine
Chance glauben irgendwas gewinnen zu können. Ein anderer Satz von
jemandem war: Es kommt drauf an wer spielt. Letztlich war es genau
so. Die Bandbreite an Spielniveau in Schottland bei Wettbewerben ist
groß (vom blutigen Anfänger bis zum Glenfiddich-Championanwärter),
wobei die Menge an Spielern, die wirklich gut sind, meine ich, größer
ist als an weniger guten.
Eine nicht ganz so optimale S/R-Performance in Nethy Bridge. Strathspey ist o-k, der Reel stark verbesserungswürdig.
Strömender Regen auch in Cortachy.
Allerdings waren die beiden andern Spieler (auch hier nur drei
Teilnehmer) viel besser als in Kinloch Rannoch. Vom Niveau her waren
wir alle auf dem gleichen Level. Nur durch Breakdown einer der
Spieler im Pibroch, konnte ich hier den 2. Platz machen (ob es anders gekommen wäre, hätte er nicht abgebrochen, weiß ich nicht). In der
Lightmusic lag ich, wie sollte es auch anders sein, hinten.
| Kinloch Rannoch in Wind und Regen. |
Ich hatte mir ein sehr optimistisches
Ziel gesetzt. In Perth im Piobaireachd C-Grade den 5. Platz zu
erreichen. Das wäre was, von 18 gelisteten Teilnehmern, aber eher
unwahrscheinlich. Letztlich habe ich aber eher mit keiner Platzierung
gerechnet, auf keinen der Games. Am Ende kam es ganz anders als
erwartet. Meine Erfolge auf den schottischen Games dieses Jahr vielen wie folgt
aus:
(M=March; S/R=Strathspey&Reel, S/A=Slow Air; Piob=Pibroch)
Platz
1. M Loch Rannoch
1. S/R Loch Rannoch
1. S/A Loch Rannoch
1. Jig Loch Rannoch
2. Piob Cortachy (The Little Spree)
2. Piob-C Perth (The Little Spree)
3. M Cortachy
3. S/R Cortachy
4. Jig Nethy Bridge
5. Piob Nethy Bridge (The End of the Great Bridge)
6. S/R Ballater
Mit einem Preisgeld von insgesamt 201,-
GBP. Für den ersten Versuch nicht schlecht, würde ich sagen.
Eine nicht ganz so optimale S/R-Performance in Nethy Bridge. Strathspey ist o-k, der Reel stark verbesserungswürdig.
Die Motivationskurve ging dabei ständig
auf und ab. Nach dem ersten Event in Nethy Bridge, habe ich ernshaft
überlegt, die anderen Games ausfallen zu lassen. Einer der Judges
meinte (zu Recht), ich habe arge Schwierigkeiten mit meiner Technik.
Das wäre schon fast kein Competition Niveau.
Ich dachte, ich hätte gut gespielt. Den
Judges hat es nicht gefallen. Nun, ich habe dann doch weitergemacht,
zum Glück.
| Regen, die Pipe hält. |
Einen Tag später der Erfolg in Perth.
Von 12 Teilnehmern der 2. Platz im Piobaireachd. Ich hatte gut
gespielt und das im strömenden Regen. Aber das meinte ich auch am
Tag zu vor. Somit konnte ich absoult nicht einschätzen, wo ich lag.
Um so überraschender das Ergebnis.
| Der kritische Blick der Richter. |
4 Tage später in Ballater sah es schon
wieder anders aus. Die gleichen Judges wie in Nethy Bridge und eine
Faye Handerson (Glenfidich-Teilnehmerin und Goldmedaillistin) in der
Teilnehmerliste. Da konnte man es sich schon ausrechnen, wo man
landet. Entsprechend war ich im Pibroch dann auch nicht in der
Preisliste. Dafür aber überraschend im Strathspey/Reel-Contest.
Gerade in der Light Music habe ich meine Schwierigkeiten. Daher hat
mich die 6. Platzierung auch hier sehr gefreut.
| Auch gegen solche Größen musste man spielen: Faye Henderson. |
Die Kinloch Rannoch Games hingegen, das
war wie Fische aus einem Fass angeln. Drei Teilnehmer, wo von einer
nun wirklich nicht spielen konnte (der Stewart meinte auch, er spiele
hier nur aus Spaß an der Freude mit). Der andere war schon
fortgeschrittener aber auch keine wirkliche Konkurrenz. Beide hatten
arge Schwierigkeiten das Instrument bei dem Regen unter Kontrolle zu
bringen.
| The lonely judge in Kinloch Rannoch. |
| Kickin the boards. |
Auf allen
Games war ich in der Preisliste vertreten und konnte so meine
Unkosten (Eintritt/Startgebühr, Fahrtkosten) durch das Preisgeld
decken. Ich weiß, woran ich arbeiten muss und
plane nächstes Jahr besser vorbereitet wiederzukommen. Dann
eventuell in Perth als B-Grade Spieler, wenn mein Upgrade-Antrag Ende
des Jahres durchgeht.
| Stolzer Zweitplatzierter in Perth. |
Freitag, 22. August 2014
Schottland 2014, Teil II: Schottische und deutsche Games
In Deutschland ist alles genau
geregelt... also auf Dudelsackwettbewerbe jetzt bezogen. Das ist gut,
das gibt einem als Spieler Sicherheit. Man weiß genau, wann und wo
man zu sein hat. Ein Stewart holt einen ab, wenn man dran ist. Nur
spielen muss man noch selber. Wenn auf dem sauber ausgearbeiteten
Zeitplan draufsteht, man ist um 11:23 Uhr dran, kann man mit
ziemlicher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass spätesten um
11:25 Uhr der Stewart einen zur Bühne bringt. Nach dem Wettbewerb
versammeln sich alle Teilnehmer, dann werden Dankesreden an die
Helfer und die Judges gerichtet und mit Mikrophon die Plätze der
einzelnen Events allen laut verlesen. In jedem Fall kann man sich am
Ende des Tages einen Sheet mit Kommentaren der Judges zu seiner
Performance abholen, um zu sehen, was man denn nun falsch gemacht
hat.
![]() |
| Konzentration beim Piobaireachd in Nethy Bridge. |
Mann, war ich geschockt, als ich den
„Draw“ (Reihenfolge der Spieler) für Perth gesehen habe. Da
standen 18 Leute im Piobaireachd C-Grade und ca. 24 bzw. 50 Spieler
für die Light Music, die ich alle nicht kannte... und es standen
keine Uhrzeiten dabei, sondern lediglich die Startzeit, 10 am. Das
wars. Was mich eigentlich nervös gemacht hat war, nicht zu wissen
wie der Ablauf ist, wo man wann zu sein hat. Ok, Perth war erst der
zweite Event. Die ersten Games fanden in Nethy Bridge statt. Zeit
sich ein bisschen einzufinden. Und zum Glück war dort auch eine alte
Bekannte aus der deutschen Szene vertreten, die mich geduldig mit den
dortigen Gepflogenheiten vertraut machte und mir half mich
zurechtzufinden.Vielen Dank mal dafür, Anna.
| Das Gamesfield in Ballater. Die Piping Events finden meist abseits davon statt. |
Also, 10 am, auf dem Feld in Nethy
Bridge. 10:20 sollte der Draw stattfinden, da.h. ich wusste bis dahin
nicht, wann ich dran bin, d.h ich könnte auch als erster spielen. Da
es um 10:30 losgehen sollte, meinte ich zu Anna so gegen 10:10, ob
wir uns denn nicht mal einspielen sollten. Nö, wieso?
Ja, wieso auch? Die Judges sind
verschwunden und haben erstmal Tee getrunken. Dann gab es mit Ihnen
noch etwas Smalltalk und Kaffee, dann hat der eine paar
Schnipsel aus Papier gerissen und Nummern drauf geschrieben und wir,
die Spieler, durften dann ziehen. Das war die Auslosung der
Reihenfolge. Der erste Spieler ist dann gegangen und hat gesagt, er
sei dann in 20 Min. da...
Ab dann war man mehr oder weniger auf
sich gestellt und musste halt die Spieler im Auge behalten, damit man
weiß, wann man dran ist. Dann spielt man sein Stück, geht von der
Bühne und wartet auf den nächsten Event, bei dem man so ganz
beiläufig seine Platzierung von dem vorangegangenen Event erfuhr.
Man bekam (sofern in der Preisliste vertreten) eine Art Gutschein, wo
die Platzierung draufsteht, mit diesem geht man am Ende des Tages zu
dem Zelt mit der Kasse und holt sich sein Preisgeld ab oder sein
Pokal, wenns einen gab.
| Sonne. Nur wenn man nicht am Spielen ist. |
Dort gibt es keine Zeitpläne, keine
Preisverleihung und erst recht keine Sheets. Das höchste der Gefühle
ist, wenn man am Ende mit dem Judge ein paar kurze Worte über die
Performance wechseln kann. Diese Relaxtheit ist krass und man muss
sich da erstmal reinfinden und daran gewöhnen, wenn man es nur so
durchstrukturiert kennt, wie wir es hier in Deutschland gewohnt sind.
| Boards in Nethy Bridge. |
Bei den kleineren Games war es meist
kein Problem die Übersicht zu behalten. Bei den größeren gabs aber
auch Stewarts, die einen zwar nicht abgeholt haben, die man aber
immer fragen konnte, wie der Stand der Dinge und wann man an der
Reihe ist. Da haben sich zwei Stewarts um ca 50 Spieler gekümmert,
die alle auf einem riesen Feld verstreut standen. Das war eine
bemerkenswerte Leistung von den beiden.
| Norman Mathieson & Duncan Watson: The judges, judging. |
Auch sehr interessant: Es kümmert
nicht wirklich jemanden, ob da jetzt einer auf der Bühne einen
Piobaireachd konzentriert spielen muss. Da werden 50 Meter neben der
Bühne die Fahrgschäfte aufgebaut und die Technomusik abgespielt, da
kommt zwischendurch die Massedband vorbeigelaufen, der Schiri feuert
die Pistole mit dem Startschuss für die Läufer ab oder ein anderer
Piper spielt sich neben der Bühne ein... Alles kein Problem für
die. Man gewöhnt sich dran und letztlich färbt diese Entspanntheit
auch auf einen selbst ab. Ich war nie weniger nervös vor
Wettbewerben wie in Schottland.
| 4. im Jig, dafür gibts 15 Pfund vorn an der Kasse. |
Abonnieren
Posts (Atom)




